Josefs-Verein

 

Der St. Josefs-Verein

Seit jeher ist es Tradition in Dörfern und Städten Feste wie Kirmes und Patronatsfeste zu feiern. In Laffeld gab es nach mündlicher Überlieferung 1853 am 1. Mai eine Maischatz- versteigerung, anschließende Maifeier mit Tanz und Umtrunk. Möglicherweise wurde dies durch die damals schon bestehende Junggesellenvereinigung ausgerichtet. Veranstaltungen dieser Art fanden bei der Witwe Pingen statt.
Möglicherweise ist dieser Verein eingegangen; denn fast dreißig Jahre später regte der damalige Laffelder Lehrer Peter Josef Niehssen die Gründung eines Vereins an, um den dörflichen Aktivitäten eine Basis zu geben. Er sah es als seine Aufgabe an, vor allem die örtliche Jugend mit einzubeziehen und sie zum Träger aller Veranstaltungen und Feste des Dorfes zu machen.
So traten im Gründungsjahr 1882 wohl fast alle Jugendlichen und Junggesellen des Ortes dem Verein bei. Man gab sich den Namen St. Josefs-Verein, benannt nach dem Laffelder Kirchenpatron. Aus dieser Zeit sind auch Einzelheiten der Maifeiern überliefert, die damals in einem Zelt an der Wirtschaft Karl Wellens stattfanden. Hatten die jungen Männer das Eintrittsgeld für sich und ihre Begleiterinnen gezahlt, wurde den Mädchen gleich am Eingang ein Bier angeboten, das mit Zucker gesüßt war. Alle tranken aus demselben Glas, wurde es nicht ganz geleert, füllte man es wieder aus der Zinnkanne auf und bot es der nächsten jungen Dame an. Dabei war man sehr darauf bedacht, dass ein ansehnlicher Rest des Getränkes für den Vorstand übrig blieb, was der damalige Kassierer Leonard Vratz hervorragend bewerkstelligte. Dem ersten Vereinsvorstand gehörten Johann Dionys Schmitz (Präsident), Johann von Krüchten (Kassierer), Franz Bohnen und Josef Gehlen an.

Lehrer Peter Josef Niehssen


1883 - 85 bauten die Wirtsleute Conrad und Gertrud Tillmanns die Hälfte ihrer Scheune und einen Teil des Kuhstalles zu einem kleinen Saal um. Seither hatte der Verein ab 1884 dort eine Heimstatt gefunden. Von Anfang an war der St. Josefs-Verein sehr aktiv. Hiervon zeugen auch die Anzeigen in der Heinsberger Volkszeitung, die auf Veranstaltungen aufmerksam machten.
Vor allem in der Winterzeit regelmäßig Theateraufführungen, Fastnachtsbälle und natürlich wurden Früh- und Herbstkirmes
gehalten. Die Aufzüge begleitete stets Hermann Lennartz als Trommelsolist.
1904/05 konnte sich der Verein einen lang gehegten Wunsch erfüllen. Es wurde eine Vereinsfahne bei der Düsseldorfer Fahnenfabrik Wunderwald in Auftrag gegeben, die noch heute erhalten ist. Finanziert wurde sie aus Spenden und Haussammlungen im Ort. In der Festpredigt aus Anlass der Fahnenweihe am 24. Juli 1904 sprach Pfarrer Gonella dem Verein seine Glückwünsche zu seiner neuen Fahne aus, die einerseits die Vereinsangehörigen mit Stolz erfülle, andererseits auch die Gemeinde erfreue, da diese Fahne, an passender Stelle angebracht, eine neue Zierde der Pfarrkirche bilde.
Anlässlich des 25-jährigen Stiftungsfestes, bereits tags zuvor mit Böllerschüssen angekündigt, gab es am 9. August 1908 einen großen Festumzug durch den Ort mit anschließendem Konzert, Tanz und abendlicher Theateraufführung im Saal des Wirtes Tillmanns. Karten für sämtliche Festlichkeiten konnten zum Preis von 60 Pf. im Vorverkauf erworben werden. Die Bewohner Laffelds waren gebeten worden, die Häuser zu flaggen, was zu der Zeit extra polizeilich genehmigt werden musste.
Als eine der letzten großen Feiern in Laffeld vor Ausbruch des I. Weltkrieges war die Veranstaltung zum dreißigsten Stiftungsfest
des St. Josef-Vereins verbunden mit dem Fest des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. am 12. und 13. Juli 1913.

Das Programm sah folgende Punkte vor:
Samstagabend 8 Uhr Ankündigung der
Feier durch Böllerschüsse
Sonntagnachmittag 3 ½Uhr Antreten sämtlicher aktiven und inaktiven Vereinsmitglieder im Vereinslokal, Abholen der Ehrengäste und des Festwirtes. Danach Zug durchs Dorf. Hiernach auf der Festwiese Begrüßung der geladenen Ehrengäste

 

Zeitungsanzeigen aus Laffeld vor 1920

Es folgten ein Instrumental-Konzert mit anschließendem Vortragen vaterländischer Gedichte und abends ein geschlossener Vereins-Ball. Die Einwohner wurden um Beflaggung der Häuser gebeten.
Während des I. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben fast völlig. Den Tod von 20 Mitgliedern musste der Verein beklagen. Erst nach Kriegsende konnte allmählich wieder daran gedacht werden, die Aktivitäten aufzunehmen.